Etwa 25.000 Menschen waren dort inhaftiert. Trotz ihrer Einschränkungen fanden sie Wege, sich auszudrücken: durch Stickereien, kleine Holzwürfel und Zeichnungen mit Text. Gut achtzig Jahre später erzählen diese Objekte ihre Geschichten in einer Vitrine, die quer durch eine bröckelnde Wand gebaut wurde, auf einem Boden, der so uneben ist, dass kaum etwas darauf gerade steht. Willkommen im Nationaal Monument Oranjehotel.
Scheveningen zur Zeit der deutschen Besatzung. Im „Oranjehotel“ sind Juden, Roma, Sinti, Zeugen Jehovas, Kommunisten, Schwarzhändler und Widerstandskämpfer inhaftiert. Sie haben wenig zu tun. Dennoch finden sie kreative Wege, um – bewusst oder unbewusst – ihre Geschichten für die Nachwelt festzuhalten.
„Trotz der Herausforderungen fügt er sich ganz selbstverständlich in den Raum ein.“
So nutzen manche Frauen ihre Bettlaken zum Sticken, manchmal mit Fäden, die sie aus ihrer eigenen Kleidung ziehen. Eine von ihnen ist Titia Gorter. Sie fertigt Stickereien an, in denen sie ihren Gefühlen Ausdruck verleiht, oft mit einer Prise Humor. Viele dieser Stickereien schickt sie an Menschen außerhalb des Gefängnisses.
Titia überlebt die Besatzungszeit nicht; im März 1945 stirbt sie im Konzentrationslager in Ravensbrück. Ihre Stickereien kehren jedoch zurück. Eine davon hängt heute in einer besonderen Vitrine in der Mitte des ehemaligen Gefängnisses, das mittlerweile als Museum und Bildungszentrum über den Zweiten Weltkrieg dient.
Ein Blickfang in zwei Sälen
Als Kuratorin steht Nora Willemsen regelmäßig vor dieser Vitrine. „Sie ist einer unserer Blickfänge“, erzählt sie. „Als Besucher stößt man regelrecht darauf. Und da sie durch die Wand von einem Saal in den anderen gebaut wurde – und zudem noch an einer Wand entlang nach oben verläuft –, kann man sie fast nicht übersehen. Und das Schöne daran ist: Trotz der technischen Herausforderungen fügt sie sich ganz selbstverständlich in den Raum ein.“
Der Bau der Vitrine war jedoch keineswegs selbstverständlich. Denn der Architekt, der für die Renovierung verantwortlich war, stellte SDB Vitrinebouw vor eine besondere Herausforderung…
Nichts war gerade
Das Oranjehotel wurde nämlich 1918 erbaut. Und nichts daran ist gerade. Daher durften die bestehenden Wände nach den Vorgaben des Architekten in keiner Weise verändert werden. Ob ausgefranste Kanten oder nicht, ob kerzengerade Vitrinen oder nicht. Der knarrende Dielenboden? Auch der musste unverändert bleiben.
SDB Vitrinebouw prüfte eine Vielzahl von Zeichnungen, besuchte den Standort dreimal und nahm vor Ort genau Maß. Mit mehr als sechzig Jahren Erfahrung im Vitrinenbau wurden für die meisten Vitrinen schnell Lösungen gefunden.
Aber dieser eine Blickfang…
„Genau das, was man sich als Kurator wünscht: die Geschichte zum Leben erwecken“
Die Lösung war letztendlich ebenso pragmatisch wie fachmännisch: Der ausgefranste Rand wurde mit Montageschaum aufgefüllt, und das flexible SDB-System erledigte den Rest. Das Ergebnis: eine Vitrine, die optisch bündig abschließt und sich trotz ihrer imposanten Erscheinung nahtlos in ihre Umgebung einfügt. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne.
Die Besucher zum Verweilen anregen
„Ich verstehe, dass es eine technische Meisterleistung ist“, sagt Nora. „Ich bin sehr froh darüber, denn jetzt kann ich jeden Blickwinkel nutzen: Wir können Objekte darin aufhängen, sie auf die beiden Tische legen, sie buchstäblich von allen Seiten beleuchten … Dadurch kann ich die Besucher wirklich dazu bringen, dort zu verweilen.“
So wie bei den Stickereien von Titia. Der alte Stoff, die Fäden, die feinen Stiche: Man kann sie trotz des Glases fast spüren. „Genau das, was man sich als Kuratorin wünscht“, fasst Nora zusammen: „Die Geschichte zum Leben erwecken – darum geht es in unserer Arbeit. Diese Vitrine hilft mir dabei enorm.“
Wenn Sie sich das alles selbst ansehen möchtest, besuchen Sie die Website des Nationaal Monument Oranjehotel.